Dem chronischen Ärgern auf der Spur
Kritische Selbstreflexion kann Abhilfe schaffen – Erfolgreich am Markt zu Gast bei „Butendiek“
Seefeld. Der Alltag im Betrieb, und ja nicht nur dort, ist immer wieder durch Situationen geprägt, wo Ärger anstatt Freude aufkommt. Mal sind es die anstehenden Aufgaben, Mitarbeiterinnen oder auch Kollegen, die die Stimmung vermiesen, doch „machen Sie sich bewusst, jemand kann Ihnen eine Palme hinstellen, hinaufklettern müssen Sie alleine“, stellte Katrin Berwinkel ihrem Vortrag das bekannte Wordspiel voran. Auf Einladung der Wirtschaftsförderung Wesermarsch GmbH referierte sie in der Reihe „Erfolgreich am Markt“ auf dem Hof Butendiek in Seefeld vor ausgebuchtem Haus zu „Arbeiten – ohne sich zu ärgern – Situationen pragmatisch und konstruktiv behandeln“. „Konnten Sie vielleicht auch schon feststellen, dass Ärger Zeit frisst, besonders anstrengend, stressig und unproduktiv ist? Zugleich leidet durch Druck, Stress und Ärger auch die persönliche Motivation und das Belastungsempfinden steigt stetig an. An dieser Situation lässt sich etwas ändern“, machte die Trainerin Mut zur Selbstreflektion und skizzierte in einem anregenden Vortrag, wie wir als Menschen unser konditioniertes Verhalten in Ärger-Situationen überwinden können.
Vielfach sei Kommunikation durch Emotionen bestimmt, die zwischen einer kindlichen oder Elternhaltung schwankten. Diese antrainierten Verhaltensmuster haben wir uns alle in jungen Jahren als Schutzmechanismen zugelegt. Einerseits eine völlig normale Entwicklung, kann dies andererseits bei Auseinandersetzungen zu reflexhaften Reaktionen führen und der Ärger überhand nehmen. Damit Situationen nicht emotional eskalieren, solle man sich seine Haltungen selbstkritisch anschauen, so Berwinkel. Denn starke Emotionen schafften keinen Raum für Lösungen, sondern führten eher zu Blockaden bei sich und dem anderen. Das fatale: Die Kind- oder Elternhaltung provoziert jeweils das Verhaltensmuster beim anderen und so sitzen wir quasi in der emotionalen Falle fest.
Um handlungsfähig zu bleiben müsse man aus diesem Karussell „aussteigen“, und zu den eigen Emotionen auf kritische Distanz gehen. „Jeder kann seine innere Haltung verändern, aber sie brauchen Geduld, um ihre gewohnten Muster zu überwinden“, warb die Referentin dafür, sich diesem Thema zu stellen. Hilfreich dafür sei zu schauen, in welchen Situationen man bereits Ruhe bewahren könne, also erwachsen reagiere. Tipp: Familie und Freunde fragen, wann sich souveränes Handeln zeigt. Diese Situationen solle man sich immer wieder bewusst machen und als Vorlage für das „Anti-Ärger-Training“ nehmen. Denn die Herausforderungen im betrieblichen Alltag würden bleiben und auch weiterhin Anlass zum Ärgern bieten.
Berwinkel verwies auf die Anforderungen im Betrieb, die mit den eigenen Erwartungen und gelernten Verhaltungsgewohnheiten heute zunehmend kollidierten. Um daher nicht im Dauerärger hängen zu bleiben rät Katrin Berwinkel beim Wunsch nach Veränderung: „Setzen Sie sich Ziele, aber positiv, realistisch, klar in der Formulierung, wenn es um Mitarbeiter geht, messbar und zeitlich eingegrenzt.“ So ließen sich Kraft und Energie sparen.
Gastgeber war im Juni die Hof Butendiek GmbH & Co.KG Seefeld. Der biologisch zertifizierte Milchvielbetrieb ist seit 1984 dem Biolandverband angeschlossen. Mit seinen 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden 240 Hektar bewirtschaftet. Der Familienbetrieb mit 180 Kühen steht für Feinkost im Käsebereich. Insbesondere Frischkäsevariationen und Schnittkäse zeichnen diesen Betrieb aus. Im Rahmen eines EU-Projektes wurde der Hof kürzlich als Grünlandbetrieb zum innovativsten Hof in Deutschland gekürt. Er gehört damit zu den acht besten Grünland-Betrieben im europäischen Projekt Inno4Grass, in dem neben Deutschland sieben weitere Länder beteiligt sind. Die Auszeichnung richtet sich auf die Spezialtechnik für die Heutrocknung. Zum Trocknen wurde eine eigene Trocknungsanlage entwickelt und installiert. Statt üblicherweise Silage, werden die Kühe bei den Butendiekern mit Heu gefüttert. Ergebnis: Heumilch-Käse, den die Kunden als „Kuno“, „Gustav“, „Scharfe Käthe“ oder auch „Sultans Freuden“ lieb gewonnen haben.