Kostbarstes Gut und zugleich größter Vorteil dieser Entwicklung sind dabei die gewonnenen Daten, die nun Analysen ermöglichen und somit Licht ins Dunkel bisheriger Prozesse bringen. Beispiel Produktion: mit Hilfe von Datenerfassung lässt sich eindeutig feststellen, ob eine Maschine optimal läuft oder Ausfallzeiten entstehen. Oder wenn Monotonie am Arbeitsplatz zu ergonomischen Problemen führt, kann Technik Handgriffe überflüssig und Arbeit attraktiver machen. André Heinke von „mit uns digital“ betont: „Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter in den anstehenden Veränderungsprozessen mit, damit diese den Mehrwert für sich und den Betrieb verstehen.“ Der Referent aus Hannover war bei der Veranstaltung „Erfolgreich am Markt“ zu Gast, die thematisch ganz im Zeichen der Digitalisierung stand. Das Bundesprojekt, das den Mittelstand im Industrie 4.0-Prozess unterstützen will, bietet eine Bandbreite an Angeboten, damit der Anschluss an diese weltweite Entwicklung gelingen kann. Kostenlose Vorträge, Schulungen, Beratungen vor Ort gehören dazu und auch eine „Mobile Fabrik“, die während der Veranstaltung einen praktischen Einblick in eine sensorgesteuerte Produktionslinie gewährte, zeigte anschaulich, was Digitalisierung in der Praxis bedeuten kann.
Dass der Einsatz intelligenter IT kein Selbstzweck ist, sondern mit deutlichen Vorteilen einhergehen kann, machte die Zahnarztpraxis Uerlich aus Brake deutlich. „Die Vorteile für unser Mitarbeiterteam und die Patienten sind eindeutig gegeben“, stellte Helmut Uerlich angesichts langjähriger Erfahrungen fest. Der elektronische Terminkalender erleichtert bereits seit Jahrzehnten die Organisation und nun werden Patienten mit Hilfe von Tablets informiert und in den täglichen Teambesprechungen sind dank Digitalisierung die Patientendaten für alle verfügbar und bieten maximale Transparenz. Pläne zur Weiterentwicklung stehen schon fest. „Unser nächster Schritt ist die komplette Digitalisierung des Labors“, blickt Helmut Uerlich in die nahe Zukunft. Die Arbeit am PC wird somit noch größere Bedeutung bekommen.
Wenn Unternehmen sich dem Thema erst noch weiter annähern möchten, stehen dem Mittelstand unterstützende Partner wie das Institut Offis aus Oldenburg zur Seite, die unter anderem ebenfalls kostenlose Beratungen anbieten. Patrick Knocke forderte das Publikum auf Angebote wie „mit uns digital“ oder auch sein Projekt IKIMUNI (IKT-Kompetenz in der Industrie 4.0) zu nutzen. „Kommen Sie auf uns zu, wir schauen uns Ihre individuelle Situation vor Ort an“, warb der IT-Spezialist dafür, Experten einfach mal anzurufen, wenn für den Betrieb Lösungen gesucht werden.
Den Abschluss in der Referentenriege machte Monika Kretschmer von der Demografieagentur Niedersachsen. Das Förderprogramm unternehmensWert:Mensch plus ist seit September am Start und möchte insbesondere die Beschäftigten in den Blick nehmen. „Die Digitalisierung verändert die Arbeitsbeziehungen, macht Hierarchien überflüssig, weil Wissen transparenter wird. Hierdurch bekommt das Thema Führung eine ganz neue Bedeutung“, weiß die Beraterin aus ihrer bisherigen Praxis zu berichten. Mit dem Förderprogramm erhalten interessierte Unternehmen eine qualifizierte Begleitung durch einen Trainer. Die Mitarbeiter können Neuerungen am und für den Arbeitsplatz im Team entwickeln, ausprobieren und auch kritisch schauen, wie und ob Veränderungen gemeinsam möglich sind.
Gastgeber der Abendveranstaltung war das Modehaus W in Bardenfleth-Moorriem. Passend zum Thema erläuterte Lars Clausen den Einzug der Digitalisierung in der Lieferantenkommunikation eines Textileinzelhändlers. Die elektronische Datenverarbeitung ermöglicht es dem Händler, dass die Waren bereits ausgezeichnet angeliefert werden und bruchlos, also ohne zusätzliche Arbeitsschritte, in den Warenbestand aufgenommen werden können. „Farbe, Größe, Ein- und Verkaufspreise sind bereits durch den elektronischen Lieferschein im System vermerkt“, so Clausen. Beim Verkauf von Ware bietet die elektronische Datenverarbeitung zugleich den Vorteil, dass Warenbestände automatisch abgeglichen und gegebenenfalls Nachbestellungen durch die EDV in Auftrag gegeben werden. Der Mensch braucht somit gar nicht mehr kontrollierend in den Prozess eingreifen und bestimmte Artikel werden auf diese Weise immer in gewünschter Menge im Geschäft für die Kunden vorrätig sein. Umgekehrt ist durch die digitale Datenlage beim Lieferanten bekannt, dass Ware womöglich im Modehaus W zum Ladenhüter werden könnte. Damit das nicht passiert, wird die Ware an ein Geschäft mit großer Nachfrage weitergeleitet. Und aufgrund dieser transparenten Warenbestandsanalyse ist es für Kunden möglich, ihr Lieblingsteil doch noch in Kürze zu erhalten, auch wenn es im Geschäft bereits nicht mehr in der gewünschten Größe vorhanden ist. Stationärer und Online-Handel verschmelzen somit zu einer gemeinsamen Dienstleistung.
Kontakt: Wirtschaftsförderung Wesermarsch GmbH Ingrid Marten, Tel. 04401 – 99 69 08; marten@wesermarsch.de